Die Offbeat-Gründer im Interview

Offbeat steckt als Verein in den Startlöchern. Benni und Annika beantworten in diesem Interview Fragen rund um ihre Person und die Vision, die hinter Offbeat steckt.

Benni, erzähl uns kurz von dir. Wer bist du, woher kommst du, was arbeitest du und was macht dich aus?

Ich bin 30 Jahre alt, bin im Rheinland aufgewachsen und seit 2008 lebe ich in Berlin. Ich arbeite als Pädagogischer Leiter in einer Jugendhilfeeinrichtung, die ich auch selber gegründet habe. Dort bin ich auch im Vorstand tätig. Was mich ausmacht? Ich liebe es Probleme zu lösen, manchmal auch nach dem Prinzip „Whatever it takes“. Ich bin ein leidenschaftlicher und begeisterungsfähiger Typ und liebe das Abenteuer.

Seit 2008 erreichst du die Jugendlichen am Alexanderplatz. Was genau, ist das Besondere an diesen Jugendlichen, die sich am Alex treffen? Warum bist du nun schon seit 8 Jahren (fast) jeden Samstag am Alex oder mittwochs im BK?

Viele der Jugendlichen haben keine Perspektive in ihrem Leben und noch mehr Menschen in unserer Gesellschaft stimmen diesem Selbstbild, das die Jugendlichen von sich haben, zu. Doch die Jugendlichen haben alle Träume und Erwartungen an das Leben. Das möchte ich unterstützen. Ich möchte mit diesen Jugendlichen die 1., die 2. und die 3. Meile gehen. Mittlerweile sehe ich die 2. Generation am Alexanderplatz und fühle mich darin bestätigt, dass es unheimlich wertvoll ist an diese Jugendlichen zu glauben und ihnen den Wert zuzusprechen, den sie in Gottes Augen haben.

Was ist dein Wunsch für diese Jugendlichen?

Ich wünsche ihnen, dass sie kluge Entscheidungen für ihr Leben treffen können. Dass sie lernen und erleben, dass es etwas bringt dem Leben gegenüber positiv gestimmt zu sein. Mein größter Wunsch ist jedoch, dass sie erkennen, dass Gott ihr Vater ist und Gott „Gott“ ist und nicht irgendein Gaukler.

Du sprichst ja immer von „Heiligen Momenten“. Kannst du uns von einem besonders heiligen Moment am Alexanderplatz erzählen?

Ja! Es ist schon ein Weilchen her, da kam ich mit einem jungen Mann ins Gespräch. Lange zerzauste Haare, kaputte Klamotten mit einer Bierflasche in der Hand. Er diskutierte mit mir über Gott und erzählte mir von seinen Gründen wegen denen er nicht glaubt. Während des Gesprächs hatte ich den Eindruck, dass Gott möchte, dass ich ihm Gottes Liebe zeige, indem ich diesen jungen Mann in die Arme nehme. Ich fragte ihn, ob es ok ist, dass ich ihn umarme. Sein Körper wirkte starr aber nach dieser Umarmung erzählte er mir, dass er sich nicht daran erinnern kann, wann ihn zuletzt jemand in den Arm genommen und ihm zugehört hat. Er hatte Tränen in den Augen. Das war ein Heiliger Moment.

Benni, du hast ja sicher auch mal Freizeit. Was machst du da am liebsten?

Ich bin ein leidenschaftlicher Fußballfan von Borussia Dortmund und schaue mir so gut es geht jedes Spiel an. In meiner Freizeit bin ich auch gerne in meiner BVB-App, um alle aktuellen News über meine Mannschaft zu erfahren. Ich bin auch gerne unterwegs, liebe Actionfilme und Spiele und Wettkämpfe.

Annika, du bist ja seit August 2015 an Bennis Seite. Was hast du bis dahin gemacht, woher kommst du, was ist dein Job?

Ich komme ursprünglich aus Trier (Rheinland-Pfalz) und habe dort auch nach dem Abi bis 2015 Rechtswissenschaften studiert. Nachdem ich mich 2012 ganz für ein Leben mit Jesus entschieden habe, war mein Gebet, dass er mich gebraucht, um Menschen seine Liebe und Annahme zu zeigen. Jesus hat mich dann 2013 bis 2015 sehr stark in der Flüchtlingsarbeit in Trier eingesetzt. Mit viel Unterstützung durch meine Familie und Gemeinde konnte ich eine ehrenamtliche „Deutschschule“ für Flüchtlinge gründen und leiten. 2015 war dann klar, dass ich ab September dual Praktische Theologie beim IGW Frankfurt studieren werde. Seitdem pendel ich (manchmal wöchentlich) zwischen Berlin und Frankfurt. Meinen Lebensunterhalt verdiene ich im Bereich Wohnungsverwaltung bei einem freien Träger der Jugendhilfe in Berlin.

Wann wusstest du, dass offbeat genau das Richtige für dich ist?

Ich achte immer sehr stark auf die Motivation der Leiter in einem Team. Was treibt den Leiter an? Geltungsdrang? Machtstreben? Schuldgefühle? Blinder Aktivismus?

Bennis Herz und Leidenschaft für diese Jugendlichen hat mich von Anfang an gefesselt! Sein Arbeiten und Leiten ist bestimmt von Liebe, Treue bis zum Schluss und Hingabe.

Ich bin ein sehr empfindsamer Typ, vor allem, wenn es um Musik geht. Mir liegt das Ruhige, das Tiefschürfende. Hardstyle- und Hardcore- Musik war am Anfang ein heftiger Schock. Nach der ersten Hardnight brach ich heulend im Auto zusammen, weil die Musik zu viel für mich war. Ich werde nie vergessen, was Benni dann zu mir sagte:

„Annika, kann dein Herz bei dieser Arbeit mitgehen? Es geht nicht um deinen Musikgeschmack oder meinen. Es geht nicht darum, was für dich und mich schön und gut und angenehm ist. Es geht darum, diese Jugendlichen zu erreichen.“

Das war der Wendepunkt für mich. In diesem Moment fiel in meinem Herzen die Entscheidung: JA ich gehe mit! Weil diese Jugendlichen es wert sind! Und seitdem hat Gott es mir wirklich leichter gemacht. Ich fand Gefallen an der Musik, kann mitgehen, offen sein.

 

Wie seid ihr auf den Namen offbeat gekommen?

Annika: Wir mussten ziemlich plötzlich und ziemlich schnell Anfang 2016 einen Namen für unsere Arbeit finden. Wir gingen wochenlang mit der Namensfindung schwanger. Während einer Autofahrt lief „Could you be loved“ von Bob Marley, den ich sehr schätze. Reggae hat natürlich nichts mit Hardstyle und unseren Jugendlichen zu tun aber ich dachte, das Besondere von Reggae-Musik ist, dass sie offbeat ist. Das war das Revolutionäre, das Ungewöhnliche an Reggae. Ungewöhnlich ist auch unser Engagement in jugendlichen Subkulturen und die Art, wie wir christliche Botschaften vermitteln. Unsere Arbeit kann nicht in klassische Gemeindekonzepte gepresst werden. Wir verstehen uns als die „Rahmensprenger“ im Reich Gottes. Manchmal denke ich, wir sind bei den Vergessenen unserer Gesellschaft. Und genau da will ich sein, denn Gott hat sie nicht vergessen!

 

 

Zum Hintergrund:

Benjamin (Benni) Zwick, Jahrgang 1986, ist Sozialarbeiter und arbeitet als Pädagogische Leitung bei einer Jugendhilfeeinrichtung in Berlin.

Annika Schons, Jahrgang 1989, studiert Praktische Theologie am Institut für Gemeindebau und Weltmission (IGW) und arbeitet als Vorstandsassistenz bei einer Jugendhilfeeinrichtung in Berlin.